Warum mußte Gülsün sterben, so wie viele andere Frauen

Man kann es nicht verstehen!
Wir akzeptieren den Glauben verschiedener Nationalitäten, jeder soll seinem Glauben nachgehen. Wir können es nicht verstehen und bedauern, das es so etwas, wie Ehrenmorde in der heutigen Modernen Zeit immer noch gibt. In der Bibel, auch in anderen Glaubensschriften, heißt es doch, du sollst nicht töten, da ist ein Ehrenmord auch nicht gerechtfertigt, aus welchen Gründen auch immer.

Der Fall Gülsün
Grausam wurde Gülsüm S. aus dem niederrheinischen Rees im März dieses Jahres umgebracht, von wem, muss seit Freitag das Klever Landgericht klären. Doch alle drei Angeklagten, Gülsüms Vater Yussuf, ihr Bruder Davut sowie ein junger Russe, schweigen zum Prozessauftakt. Allein in diesem Jahr wurden in Deutschland mindestens sechs junge Frauen ermordet, weil ihre Lebenspläne nicht zu denen ihrer muslimischen Familien passte. Seit dem Jahr 2000 wurden etwa 90 Ehrenmorde, die in Deutschland begangen wurden dokumentiert, diese haben den Namen Ehrenmord nicht verdient, weil Mord immer niederträchtig ist und nie ehrenhaft. Auch Gülsüm S. aus Rees, deren Tod vor dem Landgerichts Kleve gesühnt werden soll, starb durch die Hand grausamer Mörder.
Doch wer hat die Tat am 2. März 2009 begangen. War es ihr Bruder Davut S. (20), der Gülsün erdrosselte und erschlug, gemeinschaftlich mit seinem russischen Kumpel Miro M. (32). Geschah die Tat auf Befehl des Vaters, Yussuf S. (51). Alle drei Angeklagten zogen es gestern beim ersten Verhandlungstag vor, zu schweigen.
Gülsüms Tod wühlt auf, auch, weil ein Schema erkennbar wird, das fassungslos und wütend macht.
Die mutmaßlichen Täter schweigen oder schieben sich die Schuld gegenseitig zu, meist ist einer minderjährig oder wie Davut S. Heranwachsender, für den ein minderes Strafmaß in Betracht käme. In Hagen steht zur Zeit ein junger Syrer vor Gericht, der seine abtrünnige Cousine auf einer Raststätte an der A 45 erschossen haben soll. Auch er bestreitet die Tat und schiebt die Schuld auf seinen flüchtigen Onkel.
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Die Wahrheit finden
Mühsam ringt das Gericht um die Wahrheit. Am 4. März 2009 dieses Jahres wurde Gülsüm S. auf einem Wirtschaftsweg bei Rees tot aufgefunden, das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen. Mit Holzprügeln. Laut Anklage soll die junge Kurdin unter einem Vorwand aus der geschwisterlichen Wohnung gelockt worden sein. Der Vater soll zuvor die Schwester des Mädchens mit einem Einkauf beschäftigt haben, damit diese aus dem Weg war. Gemeinsam mit dem Opfer soll Davut S. dann in den Wald gefahren sein, wo Miro M. zustieg.
Gülsüm S. wurde gewürgt, dann schlugen beide Männer auf sie ein, heißt es. Motiv, Gülsüm hatte einen albanischen Freund, nahm eine Abtreibung in Holland vor.
Zu den Personen
Kurz skizzieren die drei Angeklagten ihren Lebenslauf. Drei am Niederrhein gestrandete Menschen, deren Migrationshintergrund sich wie ein Wall des Nichtverstehens auftürmt. Yussuf, der Vater. Ein ostanatolischer Bauer. Drei Jahre hat er die Schule besucht, kann kaum lesen und schreiben.
Vor 15, 16 Jahren zieht der türkische Kurde mit Familie nach Rees. Er „arbeite” beim Sozialamt, übersetzt die Dolmetscherin. Soll heißen, er lebt von Sozialhilfe. 1999 stirbt seine erste Frau, Selbstmord unter mysteriösen Umständen, wie sich im Zuge der Gülsüm Ermittlungen herausstellt. Mit seiner zweiten Frau zeugt er wieder fünf Kinder, macht zusammen zehn.
Davut S. spricht gut Deutsch, war in der Schule mittelmäßig, hatte eine Freundin, bei der er oft übernachtete. Davut will lieber Geld verdienen als Schule machen, jobbt bei einer Zeitarbeitsfirma in Bocholt. Seit längerem jedoch ist er arbeitslos.
Auch Miro M., der Russe, spricht kein Deutsch. Seit 2007 ist er als Asylbewerber in Rees, auch in Russland ist er gescheitert. Er wächst vaterlos auf, die Mutter lässt ihn als Kind im Stich. Er schlägt sich später nach St. Petersburg durch, ist obdachlos. Wegen seines dunklen Teints und der schwarzen Haare wird er von russischen Skins misshandelt.
Gülsüm ihr letzter Weg

Gülsüm Semin wurde am Mittwoch den 12 März 2009 in der Türkei beigesetzt.
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